Anfangs etwas zu meiner Person selbst:




Wenn man das "Herum-Knipsen" als solches mitrechnen will, dann fotografierte ich eigentlich schon in meinem sechsten Lebensjahr, seit nunmehr fast 55 Jahren.  Im Alter von noch nicht einmal sechs Jahren war es der Zufall, der mich an einen Fotoapparat brachte. Ich war als Kind wie immer sehr neugierig und der Dachboden meiner Großmutter in Saalfeld hatte es mir immer wieder angetan. Obgleich verboten, kroch ich dort immer wieder herum, leise wie ein Sioux auf dem Kriegspfad und meine Großmutter erwischte mich trotzdem fast immer wieder. Ich fand eines Tages dort u.a. eine Zeiss-IKON 6x9 Rollfilmkamera mit Balgen und dem damals üblichen Compur-Zentralverschluß, von der ich mich um nichts in der Welt mehr trennen wollte. 

Meine Großmutter war eine gütige und zugleich sehr weitsichtige Frau, erkannte hier wohl ein gewisses Potential in ihrem Enkel und besorgte gleich ein paar Rollfilme und los ging es.  Anfänglich ließ ich altes Fotopapier aus dem längst nicht mehr betriebenen Fotolabor in der Sonne bräunen, legte Pflanzen und Muster auf. Späterhin zeigte mir mein Großvater, wie man diese "Kunstwerke"  mit Entwickler und Fixierbad "haltbar machte". Mit noch immer fünf Jahren saß ich mit heißen Ohren erstmals neben ihm im rot beleuchteten Fotolabor und erlebte fasziniert, wie aus dem Negativ dann von Geisterhand im Entwickler das Bild auf dem belichteten Papier auftauchte. Von dem Moment an, war ich mit dem Virus infiziert.  Leider verstarb der Großvater noch vor Vollendung meines sechsten Lebensjahres und ich hatte erst fast vier Jahre später wieder in vierten Klasse der Schule die Möglichkeit in einem Fotolabor zusehen und späterhin auch mitmischen zu können. Das war nicht einfach, wurde das Schullabor doch von allen Schülern angefangen von der vierten bis zur zehnten Klasse genutzt und jeder verteidigte dort eifersüchtig und zäh seinen Platz und seinen Status. Da ich aber schon damals einer der ganz Wenigen war, die die kostbaren Kameras der Schule heil und unbeschädigt immer wieder zurück geben konnten, war ich relativ schnell "ganz oben" und hatte das Privileg sogar die teure Spiegelreflex aus dem Lehrerzimmer benutzen zu dürfen.  Schon damals begriff ich, dass Lehrer sehr gern fotografiert werden wollen und es mögen, in geistvoll-nachdenklichen Posen abgelichtet zu werden. Ich glaube, dass sich damals bei mir die Fähigkeit zum Zeitungsfotografen herausbildete. Damals noch unbewußt, bekam ich es aber immer wieder hin, dass sich die Abgelichteten gefielen und statt Kritik, gab es immer wieder erwärmendes Lob. Das trug wesentlich zu meiner Entwicklung bei.

Trotzdem sollte es noch sehr lange dauern, ehe ich beruflich fotografieren konnte, weil meine Eltern den Berufsstand des Fotografen mit brotlosen Künstlern gleichsetzten und meinen Berufswunsch diesbezüglich schon im Ansatz vereitelten.  Der Versuch, Gebrauchsgrafik und Fotografie zu studieren - ich hatte mich heimlich in Dresden beworben, endete 1970 damit, dass ich aufgrund der Intervention meines Vaters noch nicht einmal zur Aufnahmeprüfung eingeladen wurde. Ich hatte mich dem elterlichen Druck schließlich zu fügen um was "Standesgemäßes", nämlich Ökonomie zu studieren. Ein Ausdruck der elterlichen Sorge um das zukünftige Wohlergehen des eigenen Sprößlings, den ich mir heute mit meinen Kindern oder Enkeln allerdings nicht mehr vorstellen könnte. So ändern sich eben die Zeiten - glücklicherweise.

Ich hatte vieles an verfügbarer Fototechnik in Nutzung, privat und späterhin ab 1982 beruflich - Angefangen mit der berühmten POUVA-Start - mit der ich als Schulanfänger stolz ins Ferienlager fuhr, schließlich eine EXA 500 - die ich mir als Schüler durch Ferienarbeit sechs Wochen hart erarbeiten mußte.  Nach meiner Dienstzeit in der Armee leistete ich mir vor Beginn meines Studiums (natürlich wieder die ungeliebte Ökonomie!) eine komplette Ausrüstung einer EXAKTA Varex IIb incl. Prismeneinsatz und verschiedener Mattscheiben, mehrerer Objektive und einem Ringblitz. So ging dies hin und die Technik wandelte sich von Zeit zu Zeit hin zu den letzten Pentacon-Kameras der B-Serie, Praktika BCA und Praktiva B200 in den 80iger Jahren auf das Endes der DDR zu. Die Pentacon-B-Kameras verwendete ich in Folge vorwiegend im privaten Bereich, seit 1981 nebenher, wo es einen Sinn ergab und von Verlagen oder Redaktionen gewünscht war,  auch eine 6x6-Spiegelreflex.  Für mich damals standen in der DDR nur die PractiSix und die PentaconSix zur Verfügung, beides hochrobuste Kameras mit den exzellenten Optiken von Carl Zeiss.  Allerdings - Hasselblad & Co. oder auch Kiev66 waren da für mich nur Traumgebilde, die ich eventuell mal bei einem der regelmäßigen "Großköpfigen-Treffen" des DDR-Kulturbundes von weiten ansehen durfte - mehr allerdings auch nicht.  Die politische Treppenleiter kam ich nämlich aufgrund meines großen Mundwerkes in der DDR nicht hoch.



fruehnebel_abraumfeld_nochtenNach der politischen Wende in der ehemaligen DDR, wäre ich nun an all die ersehtnten Geräte heran gekommen, aber es ergaben sich für mich quasi über Nacht wichtigere Dinge als das Fotografieren - es ging zeitweise schlichtweg nur noch um das einfache Überleben, beruflich und substanziell -  und wie viele andere mußte ich völlig umorientieren. Das hinderte mich jedoch nicht daran, zumindest mit einfachen automatischen Kameras, wie z.B. einer kleinen vollautomatischen Yashica mit einem Zeiss-Tessar 3.5/50 zur eigenen Erbauung herum zu knipsen, denn ganz ohne das geliebte Fotografieren ging es eben doch nicht.  Die berufliche Zeit des Fotografierens war allerdings  entgültig vorbei, die neuen Herren  brauchten uns nämlich nicht mehr. Mein Arbeitsplatz ging wie so vieles dahin, die Braunkohle, die hierzulande allein in Hoyerswerda 15.000 Menschen in Arbeit gehabt hatte, schrumpfte auf einen Bruchteil ihrer einstigen Größe zusammen.

Ein Versuch als freiberuflicher Fotograf für mehrere Zeitungen tätig zu werden, scheiterte leider schon im Ansatz, weil mir die Regeln der freien Marktwirtschaft - insbesondere der Gebrauch des Ellenbogens - nicht zu eigen waren.  Ich habe bis heute Schwierigkeiten damit, andere "übers Ohr zu hauen". Nachdem ich mehrmals hintereinander das Opfer meiner eigenen Gutgläubigkeit geworden war und mir letztendlich außer schwer abzahlbaren Verbindlichkeiten - man nennt so etwas Schulden - nichts geblieben war, schulte ich um und arbeitete fortan bis 2008 in der Industrie, allerdings völlig ohne Fotografie, die war von da an, nur noch ein privates Vergnügen.

Während der APS-Hype gab ich viel Geld für eine Minolta-Spiegelreflex Minolta Vectis S1 plus aller möglichen Objektive aus, leider ohne zeitig genug erkannt zu haben, dass das System schon im Sterben lag, bevor es überhaupt richtig Laufen lernte. So gehörte ich wieder zu denen, die dann urplötzlich mit "viel Nichts" da standen, als Minolta quasi über Nacht aus dem APS-System ausstieg und seine Kunden voll im Regen stehen ließ.  Von einem Tag auf den anderen war all die gesamte Fototechnik unverkäuflich geworden, es sei denn man verschenkte sie. Allerdings begreife ich persönlich bis zum heutigen Tage nicht, warum Minolta die Gehäuse und Optiken nicht einfach für die Produktion digitaler Kameras einsetzte. Prinzipiell war ja für die APS-Bildgröße alles durchgerechnet und der Spiegelreflex-Kamera Vectis S1 wäre es sicher völlig egal gewesen, ob ein Film oder ein gleichgroßer digitaler Sensor drinnen gesteckt hätte. Nun denn, es sollte aber nicht so sein.


kettendetail
Die digitale Fotografie beargwöhnte ich ebenfalls anfänglich sehr. Zumindest die allerersten Knipsen waren ja extrem teuer und die daraus gewonnenen Bilder grottenschlecht. Diese Bilder konnten einem guten Papierbild nicht im Entferntesten ans Knie.  Resultierend aus den Erfahrungen mit dem Minolta-APS-System erwarte ich auch, dass die digitale Fotogafiererei ebenso einfach wieder im Dunkel der Geschichte verschwinden würde.  Ich ignorierte deshalb die digitale Entwicklung anfangs bewußt, zwei oder drei Modelle der Sony Mavica (Speichermedium 3,5er Disketten!!) waren zwar eine lustige Spielerei, aber m.E. nicht ernst zu nehmen.
Ich hatte den anfänglichen Fortschritt auf Grund meines demonstrativen Desinteresses vollends verpasst und pflegte meine starre Verweigerungshaltung wie der Kapitän eines untergehenden Schiffes, stolz darauf nicht zu wollen, was andere wollten und nicht zu tun, was die meisten taten.  Auf diese Art und Weise hätte ich den Zug beinahe verpaßt, weil mich mein demonstratives Desinteresse regelrecht blind machte, was sich dann aber mit den ersten Olympus-Kameras sehr schnell änderte.

Deutlich mehr Aufmerksamkeit verdienten dann die in rascher Folge erscheinenden Entwicklungen der Olympus Camedia-Reihe. Eine Olympus C2100-Z erzielte bei mir und mit mir den ersten "Durchbruch".  Ich ging mit dem kleinen Wunderding fast des Abends zu Bett und frühmorgens auf Arbeit. Im November 2001 kaufte ich mir schließlich eine Olympus C5050-Z.  Diese Kamera wurde mein erster richtig ernst zu nehmender digitaler Begleiter, der dann auch die analoge Technik restlos und unwiderruflich ins Abseits drückte. Allerdings lernte ich an der C5050-Z auch zum ersten Mal kennen, was verrauschte Bilder sind, denn während auf dem Sensor der D2100-Z schlappe 2,1 MP Pixel drauf waren, rauschten auf dem Sensor der C5050-Z bereits 5,0 MP kräftig vor sich hin, wenn man sie mit ISO400 fütterte.



Erst seit dem Januar 2008 finde ich auch wieder die Zeit mich etwas häufiger dem Fotografieren zu widmen. Nicht zuletzt auch deshalb, um einer beginnenden depressiven Erkrankung entgegen zu wirken - und das geht am besten durch eigene Aktivität, wie auch immer und egal mit was. Die Beschäftigung mit der Fotografie ist da willkommen und gewollt. Außerdem hält sie einen in Bewegung, ohne dass man sich gleich einen Hund anschaffen müßte. Ich mag nämlich Enkelkinder und Fotokameras viel lieber als Hunde. Es schmerzt mich immer wieder erleben zu müssen, dass inzwischen Hunde eine höhere Priorität bei vielen Paaren einnehmen als eigene Kinder


Leica VLUX1
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Nachdem ich seit 2005  mit verschiedenen Panasonic-Brigdes (FZ20, FZ8, FZ28, FZ50, Leica V-lux) unterschiedlich befriedigt gearbeitet hatte und mich schon wiedermal jahrelang vehement der Anschaffung einer DSLR verweigerte, war es aber dann wie schon immer die Realität, die mich schließlich überzeugte und mir die Augen für die Probleme kleiner Sensoren und hoher Cropfaktoren öffnete.  Ich entschied mich schließlich, mir doch eine DSLR zu kaufen. Allerdings überforderte mich der Markt ordentlich. Jede Kamera konnte etwas, was die andere nicht konnte und umgekehrt. Ich kam aus dem Abwägen und Vergleichen nicht mehr heraus; allerdings kam unterm Strich für mich dabei auch nichts heraus.

Der Zufall wollte es, dass mir im Januar 2008 in meinem engeren Bekanntenkreis nach dem Ableben meines Freundes zwei nur sehr wenig gebrauchte Nikon D300 (jeweilig knapp 500 Auslösungen) plus einiger Objektive preiswert zufielen. Die Wertigkeit der Verarbeitung und die massive robuste Technik begeisterte mich auf der Stelle!  Das war etwas anderes als die Handvoll Plastik, die man bei den Brigdes fast immer in der Hand hatte!

Der Anfang mit diesen beiden professionellen Nikons, d.h. der Umstieg von den Brigdes auf die DSLR war jedoch alles andere als ein gelungener Blitzstart ! Von den Brigdes war ich gewohnt auf dem Monitor das zu sehen, was am Ende wirklich hinten raus kam, d.h. ein Bild, dass sich unter zu belichten drohte, war auch auf dem elektronischen Sucherbild zu dunkel und so konnte man es korrigieren.  Das ist der Vorteil des elektronischen Suchers, der aber zumindest in der Klarheit des Abbildes dem echten Sucherbild der Spiegelreflex nicht nahe kommt.

In der DSLR zeigt sich eine drohende Fehlbelichtung im Sucherbild nicht vordergründig an. Im Gegenteil!  Es präsentierte sich immer ein helles klares Sucherbild und in der ersten Zeit merkte ich es deshalb nicht einmal, wenn ich ganze Reihen von fast schwarzen Bildern produzierte. Nach solchen Tagen saß ich am Boden zerstört vor dem Computer und war fix und alle über den Mist, den ich da wieder produziert hatte. Inzwischen bin jedoch über die kurze aber stressigste Anfangsphase hinaus, in der ich hochgradig frustriert mehr unscharfe und falsch belichtete Aufnahmen produzierte, als alles andere. Der Umstieg vom analogen Kleinbild, sprich also Vollformat auf das APS-Format, hier bei Nikon als DX-Format  bezeichnet, ist nicht einfach nur ein Wechel von einer Kamera auf eine andere.  Die Tatsache, mit Kleinbild oder 6x6  "Erfahrung und Gefühl" für die Fotografie gewonnen zu haben, nutzt hier nicht mehr viel.  Alles beginnt wieder von vorn. Das ist die Wahrheit und die muß man akzeptieren.


Es dauert eine Weile, bis man begriffen hat, dass der Crop von 1,5 auch eine höhere Gefahr des Verwackelns bei gleichen Verschlußgeschwindigkeiten mit sich bringt. Was man eben analog noch mit 1/150sek bei einem 135mm-Objektiv bewältigte, das geht nicht mehr unter 1/225sek zu machen. Bis einem das verinnerlicht ist und als Automatismus in Fleisch und Blut übergegangen ist, gibt es immer wieder mal einige verzweifelte Momente, bei denen man die Bilder aus der Kamera in den PC geladen hat und entsetzt feststellt, das fast alles unbrauchbar ist. Ich muß zugeben, dass meine ersten 10-14 Tage neu mit einer digitalen Spiegelreflex alles andere als aufbauend waren und ich sogar überlegte, ob ich nicht gleich wieder zurück zu den wesentlich einfacheren Brigdes gehen sollte, auch wenn deren Bildqualität mit der der DSLR nicht meßbar war.

Ich muß für meine Person nun konstatieren, dass der Wechel zur digitalen Spiegelreflexfotografie für mich beinahe so etwas war, wie ein Neuanfang bei Null. Alles was man zuvor gelernt hat, ist zwar nicht sinnlos, aber die unveränderte Anwendung der Kenntnisse aus der analogen Fotografie oder der Brigdeknipserei, das ist genau das, was meiner Auffassung nach schief geht, zu Frust führt und im schlimmsten Falle nach sich zieht, dass der eine oder andere die DSLR wieder verkauft. Ich war dann froh, diese Phase nach weniger als drei Monaten überstanden zu haben.

Allerdings gilt nach wie vor eines - die wirklich guten Bilder draußen in der Natur, die macht man selten vorbereitet und geplant, sondern meist auch nur durch Zufall. Selbst das Wetter muß stimmen - alle Komponenten müssen passen, um den einen oder anderen gewünschten Effekt wirklich vorzufinden. Nichts läßt sich da draußen vorab planen. Man muß zu allem bereit sein. Die richtige Belichtung und die Bildschärfe ist das Eine, aber der Augenblick, der ist das Andere - und dafür braucht man den Zufall und das Glück. Obendrein sind  Gelassenheit und gute Nerven angesagt, wenn die eheliche Hälfte immer wieder die gleiche Frage stellt, warum mußt du denn diese Knipskiste jeden Tag mit dir herumschleppen. Man kann Frauen, die sich nicht für die Fotografie interessieren, nicht verklickern, warum man die Kamera immer und überall, wo es nur möglich ist, "am Mann " haben will.




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